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Haushaltsrede 2016 Drucken

Haushaltsrede 2016 am 10. Dezember 2015 des Sprechers der Gruppe,

Werner Conrad (es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Landrat,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Vertreter der Presse,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

wenn man als sechster  der Haushaltsredner an die Reihe kommt, ist es schwierig die Aufmerksamkeit aufrecht zu halten, da im Regelfall vieles schon gesagt wurde. Ich verspreche Ihnen, dass ich mich – auch im Hinblick auf die große Tagesordnung – kurzfassen werde. Gestatten Sie mir trotzdem, bevor ich konkret zu den haushaltsrelevanten Anträgen komme, ein paar grundsätzliche Anmerkungen.

 

Seit 2009 bin ich Mitglied des Kreistages. In dieser – wenn auch relativ kurzen - Zeit habe ich es allerdings noch nicht erlebt, dass die Haushaltseinbringung neben der grundsätzlichen Thematik hinsichtlich der finanziellen Situation der Kommunen durch ein weiteres Thema in dieser Form bestimmt wird. Die Flüchtlingsthematik stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Leider muss man sagen. Auch hier werden unsere Kommunen wieder  nicht ausreichend finanziell unterstützt. Man könnte auch sagen, mal wieder fehlt an vielen Stellen das Konnexitätsprinzip.

 

Nur Dank des Engagements des RBK und seiner Kommunen ist es möglich, die von der Bundeskanzlerin propagierte Willkommenskultur im RBK in die Praxis umzusetzen und dass den hilfsbedürftigen Flüchtlingen die Hilfe zuteil wird, die sie nach Ihrer Flucht durch halb Europa dringend benötigen. In der Organisationslehre nennt man die Vorstufe zu einer geregelten Organisation "Chaos". Bei allem Respekt, aber diesen Eindruck machen Bundes- und Landesregierung bei der Umsetzung Ihrer Flüchtlingspolitik – sofern man das überhaupt Politik  nennen kann. Von der Außendarstellung der Bundesregierung ganz zu schweigen. Statt an einer zielgerichteten Lösung für alle Beteiligten zu arbeiten, verstrickt man sich seitens der Koalition

 der Bundesregierung  in politische Grundsatzdiskussionen bzw. unsägliche Schuldzuweisungen und bringt jede Woche  neue Vorschläge auf den Markt, die unseren Kommunen in keinster Weise oder nur bedingt weiterhelfen.  Auch die Landesregierung von NRW trägt Ihren geregelten Teil dazu bei.

 

Die  geregelte Organisation der Flüchtlingshilfe beginnt erst auf kommunaler Ebene. Hier muss man dem RBK und seinen Kommunen ein großes Kompliment aussprechen, dass sie diese Herausforderung mit Bravour meistern, jenseits aller finanzieller sowie haushaltsrechtlicher Überlegungen in Vorleistung getreten sind und die Hilfeleistung für die Asylsuchenden  unkompliziert erbracht haben und die humanitären Aspekte für die Menschen in den Vordergrund gestellt haben.

 

Wir danken dem Krisenstab und auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung für Ihr Engagement. Unser Dank gilt natürlich auch allen Kommunen im Rheinisch Bergischen Kreis.

 

Wie die Haushalte der vergangenen Jahre ist auch der für 2016 von der Verwaltung vorgelegte Entwurf trotz allem wieder absolut seriös aufgestellt.  Wir konnten wieder mal keine Ansätze für wesentliche Änderungen und Verbesserungen bzw. für einen "sogenannten großen Wurf" entdecken. Unsere Fragen zum Haushalt wurden auf der Klausurtagung in bewährter Qualität von Herrn Eckl beantwortet. An dieser Stelle gilt unser Dank insbesondere Herrn Eckl und seinen Mitarbeitern in der Kämmerei, aber auch allen anderen Mitarbeitern der Kreisverwaltung.

 

Lassen Sie mich zunächst auf ein paar wesentliche Rahmenbedingungen zum Haushalt und zum Haushalt selbst eingehen. Auf die  vorliegenden haushaltsrelevanten Anträge gehe ich später noch ein.

 

Mit einem solchen soliden Haushalt  kann der Rheinisch Bergische Kreis für 2016 noch optimistisch in die Zukunft schauen und auf dieser Basis die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortsetzen. Die dringende Frage, die sich allerdings stellt ist, wie lange noch und wohin wird der Weg führen? Noch hält die sehr gute gesamtwirtschaftliche Situation an. Spätestens 2018/2019 wird auch die Ausgleichsrücklage aufgebraucht sein. Zu diesem Zeitpunkt wird wahrscheinlich eine Anhebung der Kreisumlage unvermeidlich sein, um einen ausgeglichen Kreishaushalt zu

 

 präsentieren. Dann wird es die Kommunen möglicherweise doppelt hart treffen, da dann neben

 einer erhöhten Kreisumlage auch mit geringeren Zuweisungen des Landes oder Steuereinnahmen zu rechnen ist. Insbesondere dann, wenn der bisherige wirtschaftliche Aufschwung ins Stocken gerät. Es gibt eine Reihe von Einflussfaktoren, die den Haushalt in der Zukunft noch nachhaltig beeinflussen werden. Das sind zu einem die strategischen Herausforderungen zur Weiterentwicklung des RBK und zu anderen die zu erwartenden erheblichen Kostensteigerungen ohne ausreichende Gegenfinanzierung. Auf eine Detaillierung verzichte ich wie angekündigt aus Zeitgründen und verweise auf die Ausführungen von Herrn Dr. Tebroke und Herrn Eckl im Rahmen der Haushaltseinbringung, die man nicht treffender hätte beschreiben können.

 

Auch der Stellenplan bereitet uns Sorgen. Immer neue gesetzliche Anforderungen haben neue Stellen zur Folge. Der gerade im Bau befindliche Anbau des Kreishauses ist trotz aller guten Planung schon wieder zu klein. Der Stellenplan geht sprichwörtlich durch die Decke. Neben der Steigerung der Personalkosten sind dann auch als Folge höhere Sachkosten zu erwarten. Hier gilt es insbesondere im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung zukunftsorientierte Lösungen und moderne Arbeitsformen zu finden.

 

Nach meinen generellen Ausführungen zum Haushalt möchte ich nun kurz einige Anmerkungen zu den vorliegenden Anträgen hinsichtlich des Haushaltes 2016 machen.

 

Anträge der caritativen Einrichtungen

Auch in diesem Jahr liegt  wieder eine Reihe von Anträgen von caritativen und sozialen Einrichtungen vor. Den Anträgen stimmen wir analog dem Vorjahr zu.

 

Förderung von Rheinisch Bergischen Sportvereinen bei der Umsetzung des Projektes "Sport für Flüchtlinge"

Der Antrag wird von uns auch in diesem Jahr wieder befürwortet. Wir sehen hier aufgrund der stark gestiegenen Zahl der asylsuchenden Menschen  weiterhin eine große Chance für eine frühzeitige und dauerhafte Integration.

 

 

 

Einrichtung von 25 Plätzen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zur Betreuung von Flüchtlingen und Asylsuchenden.

Die Grundidee des Antrages wird von uns befürwortet. Wir sind allerdings der Meinung, dass das

die Kommunen im Rahmen Ihrer Eigenständigkeit Ort selber entscheiden sollten, ob sie diese Möglichkeit in Anspruch nehmen wollen (entspricht so auch dem Antrag der seitens der SPD für Kürten gestellt wurde). Vor dem Hintergrund der Kosten stellt sich auch die Frage, nach welchem Schlüssel die Plätze verteilt werden sollen. Aus den genannten Gründen können wir dem Antrag in dieser Form nicht zustimmen.

 

Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Dem Antrag können wir ebenfalls in dieser Form nicht zustimmen, da die Entscheidung aus unserer Sicht ebenso in die Zuständigkeit der Kommunen fällt. So haben sich Leichlingen und Kürten aus guten Gründen bereits gegen den Einsatz der Gesundheitskarte entschieden. Leichlingen entwickelt eine eigene Gesundheitskarte. Wermelskirchen setzt die Gesundheitskarte zunächst probeweise für ein Jahr ein. Kürten hat mit dem Nichteinsatz bislang gute Erfahrungen gemacht.

 

Initiative zur Verbesserung der Fahrradwege im Kreis

Der Antrag wird inhaltlich von uns befürwortet. Die Thematik sehen wir allerdings als Bestandteil des Mobilitätskonzeptes und sollte deshalb dort integriert werden.

 

Taktverdichtung der Straßenbahnlinie 1 in Nachtzeitzeiten vor Wochenenden und Feiertagen

Dem Antrag stimmen wir vorbehaltlich des noch nachzuweisenden Bedarfs grundsätzlich zu. In den Gesprächen mit der KVB sollte deshalb geprüft werden, welche Fahrgastzahlen zu diesen Zeiten angetroffen werden und, ob der Bedarf tatsächlich existiert. Erst auf dieser Basis sollte dann eine bedarfsorientierte Änderung des Taktes in Erwägung gezogen werden. Eine Änderung der Taktung macht nur dann Sinn, wenn diese zu den Anschlussbussen passt. Eine zusätzliche Taktung der Busse hätte aber eine weitere Kostensteigerung zur Folge.

 

Umsetzung von Landschaftsplänen

hier: Erhöhung des Zuschusses zur Unterstützung der Biologischen Station Rhein-Berg

Dem Antrag werden wir zustimmen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich zum Abschluss noch kurz auf unsere eigenen Anträge eingehen.

 

Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit

Wir haben in unserem Antrag sehr ausführlich begründet, warum wir die Notwendigkeit für diese Unterstützung sehen. Zusammengefasst kann ich nur noch mal betonen, dass das Engagement der Initiativen in den Kommunen wie z. B. Fluchtpunkt Kürten und der in diesen Institutionen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger nicht hoch genug bewertet werden kann. Zumal das ehrenamtliche Engagement auch zu einer Entlastung der kommunalen Haushalte beiträgt. Eine finanzielle Unterstützung dieser Arbeit, die ja letztendlich den Asylsuchenden zu Gute kommt, ist mehr als angemessen.

 

Schwierigkeiten bezüglich der Verteilung der Mittel sehen wir nicht. Wir haben vorgeschlagen, die Mittel in Anlehnung an die Kriterien des Förderprogramms "Zusammenkommen und Verstehen" auf die ehrenamtliche Institutionen der Städte und Gemeinden des Rheinisch Bergischen Kreises zu verteilen. Danach wurden ja auch bereits die Mittel aus dem Förderprogramm für diverse Projekte und Maßnahmen in den Kommunen einvernehmlich zur Verfügung gestellt.

 

Letztendlich stellt die Bereitstellung der beantragten Mittel für den Kreissportbund nichts anderes dar. Anders ist nur, dass wir uns nicht nur auf die Sportvereine beschränken, sondern alle in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätigen Mitbürger und Institutionen im Focus haben. Wir fänden es schade, wenn unser Antrag keine Mehrheit findet. Aber keine Sorge Herr Heimann, wie bereits gesagt, werden wir Ihrem Antrag zustimmen.

 

Übernahme des Eigenanteils für die Inanspruchnahme  der Fördermittel, die die Kommunen des RBK aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz erhalten und Verwendung der Mittel aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz (KInvFG)

 

Auf unsere beiden ursprünglichen Anträge brauche ich ja detailliert nicht mehr einzugehen, da sie sich ja beide durch den seit gestern vorliegenden Entschließungsantrag von CDU/und Bündnis90/Die Grünen erledigt haben und dieser Antrag ja aufgrund der

Mehrheitsverhältnisse sicherlich so beschlossen werden wird. Insofern wird auch der kurzfristig eingereichte Antrag der Fraktion der Linken keine Aussicht auf Erfolg haben. Wir belassen trotzdem unsere beidem Anträge auf der Tagesordnung.

 

Wir sehen es trotzdem insgesamt positiv, da die Kommunen jetzt nicht nur wie von uns beantragt, den Eigenanteil für die Inanspruchnahme der Mittel aus dem Kommunalinvestitions-Förderungsgesetz in Höhe von 700 TEUR, sondern sogar 2,8 Mio. EUR finanziert bekommen. Damit wird das Ziel aus unserem ursprünglich ersten Antrag erreicht,  dass der RBK – neben der seinerzeitigen Senkung und jetzigen Beibehaltung der Kreisumlage in Höhe von 40,5, % - einen weiteren Beitrag zur finanziellen Unterstützung bzw. Entlastung der kommunalen Haushalte leistet.

 

Der jetzt eingereichte Entschließungsantrag entspricht bis auf die Verwendung der freien Mittel im Wesentlichen der Variante B unseres zweiten Antrages. Auch das nehmen wir erfreut zur Kenntnis.

 

Wir hoffen nur, dass der Rheinisch-Bergische Kreis in den Genuss der Fördermittel für den flächendeckenden Breitbandausbau kommt. Für den Ausbau der Breitbandversorgung sind mittlerweile ganz erhebliche EU-, Bundes- und Landesmittel bereits beschlossen oder in der Diskussion. Allerdings bergen die bislang bekannten Ausführungskriterien gewisse Risiken.  Auch Herr Dr. Tebroke hat in seiner Rede zur Einbringung des Haushaltes auf diese Unsicherheit hingewiesen. Ich zitiere: "Leider können wir die Förderkulissen immer noch nicht klar erkennen, aber wir werden sorgfältig beobachten, weiter Klärung einfordern und Alternativplanungen vorbereiten". Unser Antrag wäre eine solche Alternativplanung gewesen.

 

Abschließend freuen wir uns darüber, dass wir ähnlich wie im Vorjahr auch dieses Jahr wieder als Ideengeber fungieren konnten. Wir werden sicherlich auch im nächsten Jahr guten Ideen haben. Vielleicht ist ja der Weg das Ziel.

 

Kommen wir zum Wichtigsten. Die Gruppe der FREIEN WÄHLER ist grundsätzlich mit dem vorgelegten Haushaltsentwurf einverstanden. Wir stimmen deshalb dem Haushalt und dem Stellenplan für 2016 zu.

 

Sehr geehrter Herr Landrat,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren, die Freien Wähler wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2016.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.